Vereinschronik

1931: Die Errichtung der Kleingartenanlage "Am Brederbach" geht auf die Initiative des Kettwiger Stadtbaumeisters Carl Pflitsch zurück. Er hielt die Anlage von Schrebergärten "für eine der vornehmsten Aufgaben der modernen Fürsorge". Seiner Meinung nach sollten die Kleingärten den minderbemittelten einen Zuschuss zum Lebensunterhalt sichern.

Damals, zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, als es fünfeinhalb Millionen Arbeitslose gab, ein aktuelles Thema.

Es wurden 14 Morgen Land aus dem Besitz der Stadt, der Landwirtschaftsschule, des Landwirtes Mühlendyck und der Witwe Laib angepachtet. Es sollten 79 Gärten mit einer Durchschnittsgröße von 420 Quadratmetern angelegt werden. Ein Teil des Bodens war vorher als Müllkippe genutzt worden, der Rest war Weideland. Um das Gelände zu entwässern musste es im Tal tiefer gelegt werden.

Rationeller Gemüseanbau stand in den damaligen Notzeiten im Vordergrund. Eine damalige Verpflichtung war keine hohen Bäume, sondern nur Zwerg- und Beerenobst, damit die Sonne ungehindert in den Garten gelangt.

Das war nun der Anfang der Anlage.

Man kann die Zeit von 75 Jahren in etwa so aufteilen:

1931-1958: Sozialer Notstand, Nationalsozialistische Zeit, Kriegs- und Nachkriegszeit, Erwerbsgarten.

1959-1968: Umwandlung der Gartenanlage zur Dauergartenanlage.

Ab 1968 Garten- und Freizeitanlage.

1932 kam die erste Satzung für den Kleingartenverein "Am Brederbach" heraus. In diesem Jahr wurden auch die ersten Wasserleitungen zu den Gärten gelegt.

1933 schloss die Stadt mit dem Kleingartenverein einen Pachtvertrag ab. Eine Rute kostete 0,30 RM. pro Jahr, so das ein Garten ca. 5,70 RM kostete.

Die Vereinsunterlagen beginnen erst im Jahre 1934. Inzwischen hatte sich die politische Lage geändert. Vereinsvorsitzende wurden nicht mehr gewählt, sondern ernannt. Der Ton, politisch, wurde rauer.

1935 bot sich eine Wachgesellschaft für monatlich 0,10 RM pro Garten an, die Anlage zu bewachen. Dieses wurde abgelehnt. Man wollte den Mitgliedern keine höheren Kosten zumuten.

Zur Kleingartenanlage gehörten zu dieser Zeit noch zwei weitere Anlagen. 1 an der Bahnhofstraße und 1 am Schießstand (heute ungefähr an der Kreuzung Richtung Mülheim).

Für die Unterbringung von Saatgut und Düngemittel wurde vom Ausbesserungswerk Wedau ein Waggon für 200,00 RM erworben.

1936 war der Vereinsbeitrag gesetzlich vom Reich festgelegt und betrug pro Jahr und Mitglied 3,00 RM.

Das Jahr 1939 bringt auch im Kleingartenwesen eine Änderung. Auch der Kleingartenverein "Am Brederbach" wird eingereiht in die Abwehrfront gegen das Aushungern Deutschlands. Die Führung verlangt, daß jedes Fleckchen Erde ausgenutzt wird zum Anbau von Kartoffeln und Gemüse. Auch die Kleintierhaltung soll noch mehr gefördert werden. Die vom Staat angeordnete Suche nach Kartoffelkäfern wurde durchgeführt.

1941 machte sich auch in der Gartenanlage die Auswirkung des Krieges bemerkbar. Der Arbeitsdienst kommt nicht mehr zustande. Die Renovierung des Waggons wurde bis Ende des Krieges zurückgestellt. Einige Gartenfreunde wurden vom Dachs heimgesucht, der ihnen die Kleintiere aus dem Stall holte und zerriss. Auch zweibeinige Dachse fehlten nicht. Im Schutze der Verdunkelung stahlen sie bei mehreren Gartenfreunden die Kaninchen.

Im Mai 1945 war der Krieg zu Ende. Die Selbstversorgung aus dem Garten musste aber noch für lange Jahre bleiben.

1946 und 1947 waren kaotische Jahre. Es war alles eher schlechter als besser geworden. Die Ernte war mäßig, aber die Gartenfreunde waren froh, überhaupt etwas ernten zu können, denn auf dem Markt und in den Geschäften war wenig zu haben. Trotz eifriger Tätigkeit des Vorstandes, Torf, Kalk oder Düngemittel zu erhalten, konnte nichts erreicht werden. Überall wurden Gegenlieferungen verlangt.

Von der Polizei und der Militärregierung wurde ein Wachdienst für die Anlage gefordert. Von 22-2 Uhr und von 2-6 Uhr wechselten sich jeweils 2 Gartenfreunde ab. Es hatte sich gelohnt, die Diebstähle gingen zurück.

1948, das Jahr der Währungsreform. Plötzlich war alles wieder lieferbar. Man konnte an der Anlage endlich Tore anbringen, der Wachdienst konnte entfallen und Diebstähle kamen auch nicht mehr vor.

Die Mitgliederzahl hatte bis 1949 mit 246 Mitgliedern eine Höchstzahl. Es folgte aber jetzt eine große Anzahl an Austritten von Mitgliedern, die einen Hausgarten hatten und in den Krisenjahren nur dem Verein beitraten, um in den Genuss von Düngemitteln, Pflanzkartoffeln und Sämereien zu kommen.

1950 bis 1953 waren dann ziemliche ruhige Jahre. Die Kleingärtner waren aber immer noch froh, Gemüse und Obst im Garten ernten zu können.

Im Januar 1954 war die Baugenehmigung für das neue Vereinshaus eingetroffen. Es wurde 5 x 15 m groß und erhielt ein Büro- und Lagerraum. Beim Einsatz von Fremdkräften würde ein Betrag von 15.000 DM aufkommen. Durch die Eigenleistung von 1.600 Arbeitstunden der Mitglieder und dem günstigen Bezug von Bauholz, Türen und Fenstern sowie Dachziegeln konnte der Preis auf 1.500 DM gedrückt werden.

Auch eine Lichtleitung wurde innerhalb der Anlage verlegt.

Anfang 1955 gab es erste Aufregungen um den Bestand des Gartengeländes entlang des Baches. Dieses Gelände gehörte dem Juden Laib und wurde in der Nationalistischen Zeit enteignet. Über mehrere Prozesse zog sich diese Angelegenheit hin bis ins Jahr 1959.

1959 war dann das Kleingartengelände "Am Brederbach" endlich vor jeglichem Zugriff gesichert. Voraussetzung dafür war jedoch die Ausweisung der Gartenanlage als "Dauerkleingartenanlage im Rahmen der Grünanlagen der Stadt Kettwig" . Dieser Beschluss wurde dann auf einer Ratssitzung der Stadt einstimmig angenommen.

Und all dieses wirkte sich von nun an auch auf das Leben in der Kleingartenanlage aus. Die gesamte Gartenanlage bedurfte einer Wegeaufbesserung, einheitliche Umzäunung im Außen- und Innenbereich. Eine ganze Anzahl von Lauben, Buden und Ställen musste abgebrochen werden und nach neuen, bestimmten Richtlinien neu gebaut werden. Drei Laubentypen - die Mülheimer - wurden ausgewählt, die eine jeweilige Grundfläche von 15 qm haben sollten.

Vorbei war die Zeit des "Grabelandes", wo jeder Gartenfreund bemüht war, aus seinen wenigen Quadratmetern möglichst viel Gemüse und Kartoffeln herauszuwirtschaften.

Die "Kleingartenanlage" gehörte jetzt zum "Öffentlichen Grün der Stadt Kettwig ".

Im Kleingartengarten gab es jetzt die "Dreierteilung". 1/3 Gemüse, 1/3 Blumen, 1/3 Freizeitbereich mit Laube.

Die Jahre 1959 bis 1967 waren nun von den Sanierungsarbeiten geprägt. In vier Bauabschnitten ging es nun Woche für Woche von Garten zu Garten mit der Errichtung der Umzäunung. Gräben ausheben, verschalen, betonieren, Rohre einsetzen und Maschendraht anbringen. Meter für Meter. Der Kies und Zement musste jeweils mit Schubkarren zum Arbeitsort gebracht werden. Die Befahrung der Wege war zur damaligen Zeit noch nicht möglich. Die ersten Monate musste der Beton noch mit der Hand gemischt werden. Später gab es dann eine Betonmischmaschine.

1962 kam dann noch die Verlegung der Wasserleitung dazu, die bis 1964 dauerte. Damit hatte jeder Garten einen eigenen Wasseranschluß einschließlich Wasseruhr.

Hier der Zahlenüberblick über die Bauabschnitte:

Sanierung der Anlage und Neuverlegung der Wasserleitung:

28.000 DM Landeszuschuss, 10.500 DM Zuschuss der Stadt Kettwig

15.400 DM Eigenleistung der Mitglieder in 3.200 Stunden a 2,00 DM und 3.000 Stunden a. 3,00 DM

Alles zusammen ergibt eine Gesamtsumme von 54.000 DM

Zu dieser Gesamtsumme kamen noch die Schlußarbeiten der Stadt Kettwig. Alle Hauptwege wurden planiert, mit einer Packlage versehen und mit einer Asphaltdecke überzogen. Ferner wurde der Bach in Schalen verlegt. Trotz Einsatz von Planierraupe, Walze und Lastwagen wurden fast  4 Wochen benötigt. Vorgesehen war diese Arbeit mit Schüppe, Hacke und Schubkarre in Eigenleistung.

Im Gartenjahr 1966 bewies die Natur wieder einmal, das der Mensch ihr gegenüber machtlos bleibt. Bei einem Unwetter wurde der untere Teil der Gartenanlage am Bach innerhalb von 10 Minuten bis zu drei Meter überflutet. Der neu asphaltierte Weg wurde auf einer Länge von 200 Metern völlig aufgerissen und zerstört. Wieder zeigte sich die Stadt Kettwig. Innerhalb von 5 Tagen wurde der Weg von einer Baufirma instand gesetzt und neu asphaltiert.

Das Jahr 1967 brachte nun die endgültige Fertigstellung der Anlage. Die Schlußarbeiten waren die der Grünflächen und des Parkplatzes am Vereinshaus.

Ab 1968 schränkte sich der Arbeitsdienst in der Anlage gewaltig ein - nur noch zweimal im Jahr a. 4 Stunden - und auch das Gartenleben selbst spielte sich wieder in den Gärten ab.

Und damit beginnt die Zeit "Garten- und Freizeitanlage"

1968 wurde erstmals nach langer Zeit wieder mit dem Aufstellen des Maibaumes der 1. Mai gefeiert. Hinzu kamen ein Kinderfest im Sommer und das Erntedankfest im Herbst. Daran hat sich bis in die heutige Zeit nichts geändert.

1970 wurde auch das letzte Stück der Lichtleitung fertig gestellt. "Gute Beziehungen", wie man es so nennt, standen "Pate".

Durch die vorbereitenden Arbeiten für die Wohnsiedlung "Auf der Höhe" musste 1973 die Rheinstraße erstellt werden. Daher mussten die Häuser und Baracken an der Alten Straße, im Volksmund auch "D-Zug" genannt, abgerissen werden. Dadurch konnte die Gartenanlage um 3 Gärten erweitert werden.

Weiter wurde die Einkassierung der Pacht von monatlich auf jährlich umgestellt.

1975 wird die Gartenstadt Kettwig nach Essen eingemeindet. Die bisherigen jährlichen Zuschüsse der Stadt Kettwig für die Anlage entfielen damit. Die bisherige Betreuung durch den Landesverband der Kleingärtner entfiel ebenfalls und wir mussten uns dem Stadtverband Essen anschließen. Gleichzeitig damit wurde die Pacht von 0,05 DM auf 0,15 DM pro Quadratmeter angehoben.

1976 gibt ein rücksetzender PKW die Vorgabe für den Neubau des Vereinshauses. Nach fachmännischer Überprüfung des Schadens am Vereinshaus stellte sich heraus, daß der Zustand des Hauses so schlecht war, dass eine Instandsetzung nicht mehr möglich war. Damit begann die Vorplanung für ein neues Vereinshaus.

1981 sehen die Kleingärtner den "Abraham". Mit einem Festprogramm wurde der 50. Geburtstag im September gefeiert. Dass größte Geschenk dazu hat sich der Kleingartenverein selbst gemacht. Pünktlich zum Festtag war das neue Vereinshaus fertig gestellt geworden.

1983 erhält die Gartenanlage bei einem Gartenwettbewerb der Stadt Essen den 1. Preis im Bezirk 8.

Ab 1985 ist ein neuer Generalpachtvertrag gültig. Wege, Umzäunung und Grünflächen müssen nun vom Verein in Eigenleistung gepflegt werden.

1989 wurde die gesamte Außenumzäunung durch einen neuen Maschendrahtzaun ersetzt.

Ab 1995 wurde die alte Wasserleitung aus Eisen durch eine komplett neue Wasserleitung aus Kunststoff in Eigenleistung und Eigenkosten ersetzt.

1996/1997 mussten auf Verlangen der Stadt Essen alle Lauben in Eigenleistung an die Kanalisation angeschlossen werden.

2002 im Sommer wurde das letzte Stück elektrischer Oberleitung, entlang des Sengelmannswegs, in die Erde verlegt.

2003, im November, wird das Vereinshaus durch einen Schwelbrand in den Nachtstunden im Inneren schwer beschädigt. Nur durch zeitiges Bemerken des Brandgeruches durch Nachbarn konnte ein großer Brand verhindert werden.

2006, die Kleingartenanlage feiert ihr 75 jähriges Bestehen.

 

Die Vereinschronik wird fortgesetzt, sobald sich etwas neues ereignet.

 

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